6. Auflösung der Probleme unseres bisherigen Denkschemas

Rückblick

Wir haben in Kapitel 4 die Probleme dargestellt, die sich ergeben, wenn wir unser Denkschema als geraden Strahl vorstellen. Was nun damit gewonnen ist, dass wir es statt dessen als Bogen vorstellen, soll nun dargestellt werden. Wir werden dazu die Problempunkte von Kapitel 4 der Reihe nach behandeln.

1. Strukturmonotonie

Während die Stadien der zeitlichen Abfolge weiterhin in gleicher Weise wie beim geradlinigen Schema nacheinander verlaufen (von links nach rechts z.B.), gewinnen wir durch den gebogenen Verlauf nun eine weitere Art von Untergliederung in Form von Ebenen hinzu, die senkrecht zu den Stadien stehen. Uns stehen damit nun nicht mehr nur allein Stadien zur Verfügung, sondern wir können nun auch Stadien verschiedenen Ebenen zuordnem.

Außerdem erhalten wir mit Stadium 4 eine neue Art von Stadium hinzu, nämlich ein Wendepunktstadium.

Die Stadien 1 bis 4 entwickeln sich von Ebene I bis Ebene IV. Wir nennen diesen Prozessabschnitt Involution. In Stadium 4 erfolgt eine Umkehr, die wir als Revolution bezeichnen. Und die Stadien 4 bis 7 entwickeln sich als Evolution von Ebene IV zurück in Ebene I.

Nach unserem neuen Schema ist es somit möglich, dass sich ein Prozess innerhalb der Ebenen sozusagen „zurückentwickelt“, während er sich innerhalb der Stadien gleichzeitig „weiterentwickelt“.

Unser bisheriges Denkschema lässt hingegen immer nur die Darstellung einer Entwicklung in eine einzige Richtung zu, weil es neben zeitlichen Stadien keine weitere Struktur aufweist, anhand derer eine weitere Bewegungsrichtung bestimmt werden kann. Rückwärts bedeutet dort eine Umkehr des Zeitverlaufes, was real nicht möglich ist und theoretisch nur für Geschwindigkeiten über Lichtgeschwindigkeit dargestellt werden kann.

2. Keine willkürliche Unterteilung

Während unser als gerader Zeitstrahl vorgestelltes Denkschema keinerlei Hinweise liefert, wieviele Stadien denn zu einem vollständigen Prozess zusammenzufassen sind, wann ein neues Stadium resp. eine neue Ebene beginnt, lässt sich allein an der formalen Struktur ersehen, dass wir immer genau sieben Stadien benötigen. Dabei hängt die Struktur eines neuen Stadiums von den Eigenschaften der Ebenen ab, die wir später noch mit bestimmten Kategorien in Verbindung bringen werden.

Es mag zunächst als eine Einengung oder Einschränkung erscheinen, dass wir von einer zuvor potentiell uneingeschränkten Anzahl von Stadien uns nun auf lediglich sieben Stadien begrenzen sollen.

Es ist jedoch keinerlei Einschränkug entstanden, da erstens die Anzahl der möglichen Unterordnungen (Hauptstadium, Unterstadium, Unterunterstadium…) theoretisch unendlich ist und zweitens die Hauptstadien 1 und 7 eine Einheit im raum- und zeitunabhängigen Unendlichen bilden, die lediglich von uns in eine Zweiheit von Stadium 1 und Stadium 7 erfasst werden müssen, weil unser Verstand auf eine Dualität angewiesen ist, um in Begriffen denken zu können.

Zudem ist für kein Stadium eine bestimmte Dauer vorgeschrieben. Je nachdem, auf welchen Sachverhalt wir unser Schema beziehen, kann z. B. Stadium 4 sich sowohl nur über einige Sekunden erstrecken, als auch über millionen von Jahren.

3. Hierarchie

Durch die Berücksichtigung verschiedener Ebenen, ist nun erst eine hierarchische Ordnung der Stadien innerhalb eines einzigen zeitlichen Verlaufes möglich.

Die Bildung einer Hierarchie ist mit einem geradlinig vorgestellten Denkschema nur dadurch möglich, dass wir eine willkürliche Anzahl solcher Schemata übereinander anordnen. Dabei weist jedoch auch jedes dieser Schemata seinen eigenen zeitlichen Verlauf auf, die untereinander überhaupt nicht miteinander verbunden werden können. Was wir benötigen ist jedoch ein einziger zeitlicher Entwicklungsverlauf  eines beliebigen Objekts, das im Verlaufe seiner einen zeitlichen Entwicklung verschiedene Ebenen durchschreitet.

4. Interstrukturelle Beziehungen

Die Beziehungen der Stadien eines geradlinig vorgestellten Denkschemas sind nichts weiter als „Nachbarschaftsbeziehungen“ zum vorhergehenden und zum nachfolgenden Stadium. Diese bleiben uns im gebogenen Schema natürlich erhalten, wir gewinnen aber dadurch eine neue Art von Bezug hinzu, indem sich nun auf einer Ebene zwei Stadien gegeüber liegen, die ansonsten keinen direkten Bezug zueinander aufweisen.

5. Unterdimensionierung

Unser einfaches Denkschema ist eindimensional, denn als zeitliches Schema der Abfolge unserer Bewußtseinsinhalte weist es die Dimension der Zeit auf.

Grundlegend für unser Wahrnehmen und Denken ist jedoch nicht nur die Zeit, sondern auch der Raum. Zwar ist die Eindimensionalität auch eine Raumdimension, selbiger weist aber in räumlich begrenzten Gegenständen auch noch zwei weitere Dimensionen auf und ist selbst undimensional, sodass wir um der vollständigen Berücksichtigung der Grundlagen unserer Erkenntnis willen eine vierfache Struktur benötigen. Diese ist im erweiterten Denkschema nun durch die vier Ebenen gegeben.

6. Definierte Verlaufsumgebung

Unser einfaches Denkschema weist keine definierte Umgebung auf, in der zeitlich betrachtete Sachverhalte beharren oder verlaufen. Es stellt allein einen zeitlichen Ablauf dar, nicht aber auch den Raum, in dem dieser an Gegenständen verläuft. Zwar weist unser geradliniges Schema, wenn wir es skizzieren, die Oberfläche des Blattes Papier als Umgebung auf, diese gehört jedoch nicht zum System als dessen definierte Verlaufsumgebung dazu, sondern ist lediglich ein Hilfsmittel zur Visualisierung des Denkschemas. Denn die Umgebung, in der zeitliche Prozesse an Sachverhalten oder Gegenständen ablaufen, ist ja nicht die Oberfläche eines Blattes Papier, sondern der Raum.

In unserem erweiterten Denkschema hingegen sind nun die vier Ebenen als jene Umgebung definiert, in der die als Richtungpfeil dargestellten zeitlichen Abläufe verlaufen. Dabei berücksichtigt es nicht nur die dreifache dimensionale Struktur des Raumes in begrenzten Bereichen, sondern auch dessen Undimensionalität im unbegrenzten Bereich. Aus diesem Grunde weist das erweiterte Denkschema genau vier Ebenen auf, nicht mehr und nicht weniger.

7. Läufigkeit und 8. Interne Orientierung

Unser einfaches Denkschema stellt einen zeitlichen Verlauf dar, der sich beständig von jedem beliebigen Punkt der Vergangenheit entfernt, ohne die Möglichkeit diesen je wieder zu erreichen, weil die Zeit nicht rückwärts verlaufen kann. Wir bezeichneten diesen Sachverhalt als einfache Läufigkeit.

Im erweiterten Denkschema ist nun eine zweifache Läufigkeit gegeben, indem wir einen Prozess zunächst als absteigend entlang der Ebenen I bis IV vorstellen, und anschließend als aufsteigend, sozusagen rückwärts zur vorherigen Richtung, entlang der Ebenen IV bis I – und damit zurück in die Ursprungsebene.

Dadurch ist der Prozessverlauf inter zugleich orientiert, da es möglich ist seine aktuelle Läufigkeit von einer entgegengesetzten zu unterscheiden und damit überhaupt erst festzustellen.

9. Systematische Geschlossenheit

Wir hatten festgestellt, dass unser übliches als gerade Linie vorgestellts Denkschema ein offenes System ist. Dies kommt daher, dass Anfang und Ende nicht miteinander verbunden sind und daher beide Seiten der Linie theoretisch bis in die Unendlichkeit fortsetzbar sind.

Unser neues Denkschema ist hingegen ein geschlossenes System. Paradoxerweise haben wir unser altes Denkschema dadurch geschlossen, dass wir die beiden offenen Enden durch die Ebene der Unendlichkeit verbunden haben. Die Offenheit der Unendlichkeit stellt uns damit die Geschlossenheit des Systems her.

Interessant hieran ist folgendes: Ebene I ist eigentlich die Ebene der Unendlichkeit und der absoluten Einheit. Das bedeutet aber, dass unser Schema eigentlich eher als Kreislauf darzustellen wäre, weil die Stadien 1 und 7 ebenso zusammen fallen, wie Anfang und Ende bei einer Kreisumrundung zusammmen fallen. Dies stimmt jedoch nur bezüglich des räumlichen Aspektes in der Geometrie und nur bezüglich des systemischen Aspektes in unserem neuen Denkschema.

Bei einer Kreisumrundung fallen Anfang und Ende zwar räumlich in eins zusammen, nicht aber zeitlich. Vielmehr handelt es sich um ein und dwn gleichen Punkt aber tu verschiedenen Zeiten.

Ähnlich verhält es sich bei unserem Denkschema. Hier jedoch handelt es sich nicht um einen Raumpunkt, sondern um ein Objekt oder Wesen in zeitlicher Entwicklung, welches zwar durch den ganzen Prozess der 7 Stadien hindurch identisch es selbst bleibt aber zunächst Beschränkungsgrade erfährt, die es dann durch Zugewinn von Freiheitsgraden wieder aufhebt. So ist es zwar systemisch in Stadium 7 wieder im gleichen Zustand wie in Stadium 1, aber nicht im selben, da es nun um die Auswirkungen eines Prozessablaufes vermeht wurde.

10. Regressus adfinitum

Unser einfaches Denkschema ist wie gesagt zu beiden Seiten hin theoretisch unendlich fortführbar, d.h. es hat einen zweifachen regressus adfinitun. Um dies zu vermeiden muss an einer willkürlich bestimmten Stelle eine Grenze gesetzt werden – ein Archimedischer Punkt.

In unserem neuen Denkschema bleiben zwar beide infiniten Regresse erhalten, als Grenzsetzung fungiert jedoch nun die Ebene I, in der die Konzepte von Raum und Zeit wegen ihrer Undimensionalität nicht anwendbar sind und daher eine räumliche oder zeitlich Grenzsetzung überhaupt nicht möglich ist.

Zudem ist die Ebene I als Grenzbestimmung von Raum und Zeit nicht selbst ein Archimedischer Punkt, weil sie keine willkürliche Setzung ist, sondern sich aus der dimensionalen und der undimensionalen Struktur des Raumes ergibt.

Nachdem wir nun aufgezeigt haben, was wir hier unter einen Denkschema verstehen, von welcher Art unser derzeitiges Denkschema ist, welche Probleme es mit sich bringt un wie es sich erweiert lässt, um diese Probleme zu lösen, wollen wir nun eine kritische Betrachtung anstellen, die sicherlich Fragen berücksichtigt, die einem aufmersamen und interessierten Leser spätesten hier suf der Zunge brennen müssten.

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. wolkensand sagt:

    Nun ja. Wenn ich auf gewisse Weise kompliziert denke, dann erscheint mir das hier alles mehr oder weniger logisch. Nur, was ich, seitdem ich versuche, dieses Denkschema zu begreifen, noch immer nicht verstanden habe, ist, wozu es wirklich gut ist. Klar, es ist besser als das alte und man kann Prozesse dort einordnen, aber wie hilft es beim Beantworten von Fragen? Wenn ich frage: Gibt es Schicksal?, was nützt mir dann das neue Denkschema? Das wüsste ich gern, wie man es tatsächlich praktisch anwendet. 🙂

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  2. Titus Pauly sagt:

    Zur praktischen Anwendung kommen wir noch. Da habe ich sehr konkrete Beispiele: auch aus dem Alltag.
    Was das Schema macht, lässt sich so ausdrücken. Es organisier unsere Erkenntnisse und Vorstellungen von der Welt auf eine Art und Weise, die uns neue Zusammenhänge erkennen lässt. Bisher ist es jedoch nicht so, dass wir dies auf einfachere Weise tun, weil wir ein einfacheres Denkschema verwenden, sonder es ist so, dass wir und der Verwendung unseres einfachen Denkschemas gar nich bewußt sind, weil es gar keine Möglichkeiten der Erkenntnisorganisation bietet. Wir verbessern also nicht nur einen bereits bewusst vollzogenen Vorgang, sondern wir müssen den einfachen Vorgang überhaupt erst bewußt machen ihn erklären und dann verbessern. Dies ist in den Kapiteln 1 – 6 bisher weitestgehend geschehen.
    Dennoch steht noch einiges bevor. So ist das gesamte Denkschema noch zu Kategorisieren. d.h. zu jedem Stadium werden Allgemeingültige Eigenschaften bestimmt werden, die aus den drei zur allgemeinen Beschreibung der Welt notwendigen Kategorien abgeleitet werden. (Qualität, Quantität und Relation). Zudem benötigen wir den Begriff Substanz, auf den sich diese Kategorien Beziehen. Den Begriff Substanz habe ich in meiner Blog-Serie „Die Welt besteht 1-5“ bereits vorbereitet.

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  3. wolkensand sagt:

    Okay, viel zu tun…
    Danke für die Antwort.

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  4. Titus Pauly sagt:

    Was echt blöd ist, ist die Erklärung auf diesem rein schriftlichen Weg. Alles dauert ewig lang. Ich habe auch schon viele Gespräche über mein Denkschema geführt und meine Erfahrung zeigt, dass es in nur einer Stunde im persönlichen Gespräch und mit Stift und Papier möglich ist das alles zu vermitteln, woran ich hier schon seit Wochen mühsam Buchstabe für Buchstabe am iPhone 4 mit einen einzigen Finger am eintippen bin. Ich würde mir also nicht nur für Dich wünschen, dass es schneller ginge, sondern auch für mich selbst. Aber ich kann meine Situation derzeit nicht ändern 😦

    Bis später 🙂

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