1. Einleitung

Ich werde hier zunächst das Thema „Erkenntnistheorie“ aufgreifen und damit die Grundlage für eine neue Metaphysik legen, die im Anschluß folgen wird.

Ich gehe davon aus, das eine erkenntnistheoretische Untersuchung unseres „Denkschemas“ (Begriff wird noch genauer bestimmt werden), uns eine Möglichkeit eröffnen kann, unsere Vorstellungen von uns und der Welt in einer dem Sein angemesseneren Struktur zu betrachten, als dies bisher der Fall ist.

Ich denke zweitens, das diese Art Untersuchung in der Philosophie noch nicht durchgeführt wurde und dass sie nötig ist, um der metaphysischen Philosophie wieder Gehör bei den Naturwissenschaften zu verschaffen.

Ausgangspunkt und erste Hypothese der nachfolgenden Arbeit ist die Vorstellung, dass der Verlauf unseres Denkens auf Grundlage und in Abhängigkeit einer Struktur erfolgt, die  für uns als ein allgemeines Schema fungiert und anschaulich darstellbar ist. Diese Struktur wird hier als Denkschema bezeichnet.

Meines Wissens ist eine erkenntnistheoretische Untersuchung, wie die hier vorliegende, in der Philosophie noch nicht erfolgt. So ist auch der Begriff „Denkschema“ hier von völlig anderer Bedeutung, als in anderen erkenntnistheoretischen Arbeiten.

 

Aufgabe und Sinn eines Denkschemas

Die Aufgabe oder der Sinn eines derartigen Denkschemas besteht darin, die Verbindungen erkenntnisrelevanter Gedanken und Bewußtseinsinhalte überhaupt erst zu ermöglichen. Aufgrund dieser Verbindungen ergeben sich Beziehungen verschiedener Erkenntnisse zueinander und die verschiedenen Arten dieser Beziehungen bilden das Beziehungsgefüge, bzw. die Beziehungsstruktur unseres Denkschemas. Es wird sich dabei herausstellen, dass dieses Beziehungsgefüge unseres derzeitigen Denkschemas völlig ungeeignet ist, um die dimensionale Struktur der Welt angemessen zu erfassen. Daraus resultieren besonders in metaphysischen Fragestellungen Probleme mit Widersprüchen und unendlichen Regressen (regressus ad infinitum).

 

Zum grundlegenden Charakter dieser Untersuchung

 

Die Besonderheit des hier ermittelten Denkschemas ist, dass es seine Gültigkeit völlig unabhängig davon, ob ein Gedankengang wahr oder unwahr, oder gar logisch korrekt oder nicht ist, bewahrt. Die durch Denken gewonnene Erkenntnis ergibt sich als Resultat der Verbindung einzelner Gedanken oder Bewußtseinsinhalte. Handelt es sich dabei um Begriffe, so hat deren Verbindung zu Proposotionen (Aussagen oder Urteilen), Prämissen (Vordersätzen oder Voraussetzungen) und Konklusionen (Schlüssen oder Folgerungen) nach den Regeln der Logik zu erfolgen, sofern eine verwertbare Erkenntnis gewonnen werden soll. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Denkschema des menschlichen Verstandes allein für jene Erkenntnisse relevant ist, die nach den Regeln der Logik gewonnen werden, denn auch ein Denken, welches nicht gemäß logischer Regeln erfolgt, ihnen gar widerspricht oder wirr und konfus ist, vollzieht sich in Abhängigkeit des dem Denken und damit dem Verstande zugrundeliegenden Denkschemas.

Damit ist diese Untersuchung grundlegender als alle Untersuchungen, die als ihren Gegenstand bereits logisch korrekte Gedankengänge bzw. Argumente voraussetzen, was ja zunächst als notwendig erscheint, weil Erkenntnis ja nur Erkenntnis sein kann, wenn sie logisch korrekt und wahr ist. Wir werden dennoch feststellen, dass eine vorgängige Untersuchung nötig ist, die frei von dieser Bedingung ist.

Da das Denken als eine mitunter aktive und kontrollierte Tätigkeit des menschlichen Verstandes, ein hauptsächliches Mittel zur Gewinnung von Erkenntnis ist, wird eine Analyse der dem Denken zugrundeliegenden schematischen Struktur für die Erkenntnistheorie von grundlegender Bedeutung sein.

 

Bewußt machen des Denkschemas

Da wir uns dieses Denkschmas, wahrscheinlich aufgrund seiner Einfachheit und aufgrund der Selbstverständlichkeit, mit der wir es voraussetzen müssen, üblicherweise nicht bewußt sind, ist eine Untersuchung anzustellen, die uns dieses Denkschema mitsamt seiner Notwendigkeit für unseren Erkenntnisgewinn, seiner Struktur, seiner Funktionalität, seiner Nachteile und seiner Erweiterungsmöglichkeiten bewußt macht.

 

Zum Bezug auf die reale Welt

Da wir nun unsere im Denken verwendeten Begriffe, sowie die durch Denken gewonnene Erkenntnis, auf eine Welt außerhalb unserer selbst (in der wir uns jedoch zugleich auch befinden) beziehen, d.h. auf eine vorgestellte Realität der seienden Gegenstände und Sachverhalte in einem Raumzeit-Kontinuum beziehen, wenden wir damit zugleich auch das unserem Denken zugrundeliegende Denkschema indirekt auf die Welt an. Hier wird sich die Frage nach der Berechtigung dieses Bezuges in gleicher Weise stellen, wie bei der Frage nach der Art und Weise der Korrespondenz unserer Begriffe zu den Dingen (Universalienstreit). In diesen Zusammenhang wird nachdrücklich an eine Einsicht erinnert werden müssen, die uns durch Kant dargestellt ist.

 

Das Denkschema als kinematische Grundlage des Verstandes

Wir verstehen das Denken als einen Prozess, der unter anderem dem Zwecke des Erkenntnisgewinnes liegt, wobei wir hier zunächst offen lassen, was per definitionem unter Erkenntnis zu verstehen ist und mit welcher Modalität (Möglichkeit, Wahrscheinlichkeit, Zufall oder Notwendigkeit) wir unsere verschiedenen Erkenntnisse einerseits in Verbindung bringen müssen oder andererseits in Verbindung bringen dürfen. Diese Themen werden gesondert in der Wahrheitstheorie, sowie in der Theorie über das System der Modalitäten behandelt werden. Diese und andere Teiltheorien der gesamten Metaphysik sind hier noch nicht am Platze, da diese selbst erst anhand des zunächst noch zu erweiternden Denkschemas dargestellt werden müssen.

Der Prozess des Denkens als Tätigkeit des Verstandes wird hier auf Basis seines kinematischen Ablaufes und der sich daraus ergebenden Struktur betrachtet, anstatt wie bisher allein in statischer Weise.

Zwar sind die Verknüpfungen von Begriffen zu Urteilen, von Prämissen zu Schlüssen, sowie von Schlüssen zu Theorien aufgrund ihres sukzessiven und linearen Erfolgens in der Zeit notwendigerweise temporale Prozesse, dennoch ist die erkenntnistheoretisch Untersuchung der Resultate dieser Prozesse im Rahmen der Logik auf ihren Gegenstand als auf einen statischen Gegenstand gerichtet. Es wird nicht der Vorgang des Erkenntnisgewinnes selbst in seiner Genese, sonder nur dessen Resultat betrachtet, bzw. mit den Gesetzen der Logik verglichen. Nicht wird also der Prozess des Denkens in zeitlichen Verlauf betrachtet, sondern sein zu einer beliebigen Zeit bestehendes Resultat.

 Da uns der Vorgang des Denkens hier allein als mentaler (geistiger) und nicht als neuronaler (materieller) Prozess interessiert, sprechen wir hier von einem kinematischen Prozess, bei dem im Gegensatz zu einem dynamischen Prozess von allen Kräften und allen beteiligten Massen (Neuronen des Gehirns) abgesehen, d.h. abstrahiert wird. Spezifischer betrachtet sprechen wir hier somit vom Denken als von einem kognitiven Prozess und richten unsere Untersuchung auf die Struktur dieses Prozesses und die sich daraus ergebenden Beziehungen verschiedener ins Denkschema aufgenommener Sachverhalte zueinander.

 

Zur Unterscheidung von Verstand und Vernunft

Es ist hier bisher überwiegend vom Verstand die Rede, obwohl es doch gängige Vorstellung ist, dass sich der Mensch gerade dadurch auszeichnet, dass er Vernunf besitzt oder zumindest zur Vernunft befähigt ist. Dieser Vorstellung pflichten wir durchaus bei, machen aber dennoch zwischen Verstand und Vernunft einen prinzipielleren und kategotialeren Unterschied, als dies in anderen Arbeiten erfolgt, wo die Begriffe Verstand und Vernunft bezogen auf den Menschen manchmal sogar fast synonym verwendet werden, sodass dort unter Vernunft nur der menschliche Verstand in Abgrenzung zum tierischen Verstand verstanden wird.

Wir folgen Kant mit der Annahme, das die Vernunft das zuletzt entwickelte und hierarchisch höchste Vermögen des Menschen ist, teilen aber nicht Uneingeschränkt Kant prinzipielle Unterscheidung des Verstandes als „Vermögen die Dinge der sinnlichen Erfahrung unter Behriffe zu bringen“ von der Vernunft als „Vermögen die Dinge unter Prinzipien zu bringen“.

Wir sprechen von Verstand als dem Resultat und dem Vermögens des logischen Denkens und beziehen uns damit auf die moderne elementare Logik (Prädikaten- und Aussagenlogik) mit folgenden gültigen Sätzen:

  1. Satz der Identität
  2. Satz vom verbotenen Widerspruch
  3. Satz vom ausgeschloßenen Dritten

Der Verstand denkt nach logischen Regeln.

Die Vernunft hingegen wertet. Sie liefert dem Menschen das notwendige Entscheidungskriterium, welches an ethischen oder pragmatischen Motiven orientiert sein kann. Die Vernunft geht nicht logisch sonder dialektisch vor, wobei sie sich auf logisch korrekte Thesen und Antithesen stützt, die ihr der Verstand liefert. Damit ist, wie bei Kant, die theoretische Vernunft (Verstand) die Grundlage für die praktisch Vernunft, mit dem Unterschied zu Kant jedoch, dass wir die Dialektik nicht als eine „Logik des Schein“ betrachten, sondern als die eigentümliche Methode der Vernunft.

In einer späteren Arbeit werden wir zeigen, dass es möglich ist, die Dialektik ebenso in systematischer Form für die Vernunft aufzubauen, wie die Logik in systematischer Form für den Verstand bereits vorliegt und dass sich die Grundsätze der Logik aus Beschränkungen der Grundsätze der Dialektik ergeben, die Logik somit eine Ableitung aus der Dialektik ist.

 

Rechtfertigung der Struktur des neuen Denkschemas durch die elementare Struktur der Mathematik

Anwendung des Denkschemas auf die materielle Evolution

Anwendung des Denkschemas auf die Entstehung von Bewußtsein

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