5. Wie erweitern wir unser Denkschema?

Wir werden nun unser biheriges Denkschema auf einfachste Weise erweitern, dabei aber seine bisherige Funktionalität vollständig erhalten. Denn wir sagen nicht, unser altes Denkschema sei falsch – es ist lediglich noch unvollständig.

Bevor wir nun zur Tat schreiten müssen wir, um die Art unseres Vorgehens verständlich zu machen, ein paar Worte zur subjektiven und objektiven Bedeutung des Raumes verlieren.

Subjektivität des Raumes

Nach Kant sind Raum und Zeit subjektive Formen unserer Anschauung. Wir lassen es hier zunächst dahin gestellt, ob diese auch objektive Geltung haben können. Wir werden im nächsten Kapitel darauf zurück kommen. Wichtiger ist uns hier Kants Einsicht, dass uns ohne Raum und Zeit keinerlei (besondere) Erkenntnis möglich wäre. Denn um Erkenntnis von etwas zu erlangen, ist es notwendig, dieses Etwas zumindest vorstellen zu können und es durch einen Begriff von allem Anderem abgrenzen zu können. Dazu aber müssen wir es von allem Anderen unterscheiden können. Könnten wir nicht unterscheiden, dann wäre weder Begriffsbildung noch Erkenntnis über endliche und begrenzte Dinge möglich. Die Unfähigkeit zu unterscheiden, ließe uns wohl allein eine absolute Einheit unendlicher Leere übrig, von der wir nichtmal uns selbst unterscheiden könnten (ein Gedanke übrigens, der in einem späteren Zusammenhang noch sehr fruchtbar werden wird).

Um unterscheiden zu können bedarf es subjektiv zuvor der Vorstellung von Raum und Zeit. Zu unterscheiden sind in der Welt letztlich nur zwei Sachverhalte:

  1. Gegenstände an Positionen des Raumes
  2. Ereignisse in Momenten der Zeit

Ausgedehnte Gegenstände im Raum sind begrenzte dimensionale Körper; ausgedehnte Ereignisse in der Zeit sind begrenzte dimensionale Dauern.

Da Raum und Zeit grundlegend für unser Denken und Verstehen sind, muss die Struktur von Raum und Zeit konstituierend für unser Denkschema sein, damit das Verstehen unter Verwendung einer der Struktur des Denkens erfolgt, die der des Seins auch gerecht werden kann. Da nun die Konstitution eines Denkschemas immer nur subjektiv erfolgt, pflichten wir Kant bei bezüglich subjektiven Bedeutung von Raum und Zeit.

Objektivität des Raumes

Die kantische Aussage, dass Raum und Zeit subjektive Formen unserer Anschauung sind, sagt nicht zugleich auch aus, dass Raum und Zeit nich vielleicht auch objektiv gültige Bedeutungen haben (eine Position, der auch Kant sich mit zunehmendem Alter näherte).

So sind ja Raum und Zeit in der Wissenschaft durchaus die Grundlage, auf der Experimente durchgeführt werden, deren Resultate objektive Geltung besitzen. Dies wäre überhaupt nicht möglich, wenn sich der willkürliche subjektive Aspekt bereits in den Grundlagen der Experimente, also im Raum, befände.

Der Raum in seiner für uns objektiven Bedeutung ist der geometrische oder physikalische Raum des Weltalls. Die Struktur dieses Raumes geht in der Weise, wie die Wissenschaft ihn heute vorstellt, auf Albert Einstein zurück. Gemäß der von ihm verfassten Allgemeinen Relativitätstheorie (ART), ist der Raum (aber auch die Zeit) als gekrümmt zu betrachten, um die Wirkung der Gravitation erklären und verstehen zu können.

Während die ART in der Physik bereits mehrfach empirisch bestätigt wurde, scheint es, als wenn das physikalische Konzept der Raumkrümmung in Philosophie und Erkenntnistheorie noch nicht sinnvoll berücksichtigt wurde. Wir wollen nun einen Vorschlag wagen, wie dies erfolgen könnte.

Krümmung unseres Denkschemas

Wenn wir unser Denkschema als Zeitlinie vorstellen, Raum und Zeit aber als gekrümmt vozustellen sind, dann sollte unser Denkschema  nicht als gerade, sondern als gebogene Linie vorgestellt werden. Eine Linie, die wir als einem gekrümmten Raum zugehörig vorstellen, sollte ebenfalls gekrümmt sein. Wir stellen uns unser Denkschema nun also nicht als geraden Strahl vor, sondern als gebogenen Strahl in Form eines U.

Dabei ändert sich nichts an der bisherigen Funktionalität unseres Denkschemas, denn für die zeitliche Abfolge der Gedanken, woraus sich ja das Denkschema ergibt, ist es völlig gleichgültig, obdiese entlang einer geraden oder gebogenen Linie vorgestelt werden. Das Gleich gilt für die Invarianz der Verlaufsrichtung, sowie für die Unterteilung in Abschnitte (Stadien).

Zusätzlich gewinnen wir jedoch eine Dmension hinzu, denn während ein gerader Stahl lediglich die Dimension der Breite aufweist, besitz ein gebogener Strahl Breite und Höhe. Dies ermöglicht es uns nun, waagerechte Unterteilungen vorzunehmen, die als Ebenen sozusagen senkrecht zum zeitlichen Verlauf der Gedankenabfolge (Stadien) des Denkschemas stehen.

Fassen wir kurz zusammen: Wenn wir mit Einstein die Krümmung der objektiven Raumzeit annehmen, mit Kant hingegen Raum und Zeit als subjektive Formen unserer Anschauung annehmen, dann ergibt sich zusammen, dass unser Denkschema als zeitliche Abfolge unserer Gedanken nicht als gerader Strahl, sondern als gebogener Strahl vorzustellen und schematisch darzustellen ist. Durch die zusätzlich hinzugewonnene Dimension der Höhe ist es nun möglich neben Stadien auch Ebenen zu berücksichtigen.

Wir wollen nun darstellen, wie sich durch diese einfache Modifikation unseres vorgestellten Denkschemas die oben festgestellten Probleme auflösen.

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